Zweitmeinung zur Amputationsreduzierung beim DFS

Initiative der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß
in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Zweitmeinung zur Amputationsreduzierung beim Diabetischen Fuß
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Das 2015 verabschiedete GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (Auszug in der Anlage) räumt in § 27b erstmals die Option auf eine Zweitmeinung für bestimmte Indikationen ein.
In der Diabetologie, insbesondere im Bereich der diabetischen Fußerkrankung und geplanten Major-Amputationen, ergibt sich hier ein unmittelbarer Handlungsbedarf. Die AG Fuß der DDG begrüßt grundsätzlich die Zweitmeinung und fordert diese sogar für Major-Amputationen.
Etwa 2/3 aller Amputationen werden bei Menschen mit Diabetes durchgeführt. Diese Zahl von rund 40- 50.000 Amputationen p.a. in Deutschland ist viel zu hoch. Amputationen bei Menschen mit Diabetes erfolgen oftmals zu früh ohne Ausschöpfung konservativer oder gefäßrekonstruierender Verfahren oder sogar ohne klare Indikationsstellung und vorherige interdisziplinäre Entscheidung einer zertifizierten Fußbehandlungseinrichtung.
In der Arbeitsgemeinschaft Fuß der DDG sind deutschlandweit in der Diagnostik und Behandlung der diabetischen Fußerkrankung erfahrene Fachärzte (Diabetologen DDG, Angiologen, Chirurgen, Radiologen) vertreten; eine besondere Expertise findet sich daher in den durch die DDG zertifizierten stationären und ambulanten Fußbehandlungseinrichtung (s. Liste der Zentren unter www.ag-fuss-ddg.de)
Amputationen können durch das Einholen einer qualifizierten Zweitmeinung abgesichert und auch ggf. verhindert werden. In der meist akuten Situation beim diabetischen Fuß kann die Verantwortung für eine Zweitmeinung nicht dem Patienten überantwortet werden. Hier kann nur eine verpflichtende Zweitmeinung durch Experten (s.o.) Abhilfe schaffen.
Die Aufgabe von uns Ärzten, Patientenverbänden, der Fachgesellschaft wie auch der Politik ist ? bei jetzt bestehender gesetzlicher Grundlage - die Möglichkeit zu einer qualifizierten Zweitmeinung vor Major-Amputation (d.h. jede Amputation oberhalb des Knöchels) bei diabetischer Fußerkrankung regelhaft und verpflichtend zu etablieren.
Die Arbeitsgemeinschaft Fuß gemeinsam mit der DDG und diabetes.DE fordert die Politik und die Kostenträger auf, sich für eine Verbesserung der Strukturen (Zweitmeinung vor Amputation aus der AG Fuß der DDG) und somit sich für eine effektive Intervention zur Amputationsreduzierung zu engagieren.
Hierbei bringt sich die AG Fuß der DDG aufgrund Ihrer fachlichen Expertise und Erfahrungen im Rahmen des seit 2005 stattfindenden Zertifizierungsprozesses gerne aktiv mit ein.

Anlage:

GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, 2015:

Darin:

§27b
Zweitmeinung
(1) Versicherte, bei denen die Indikation zu einem planbaren Eingriff gestellt wird, bei dem insbesondere im Hinblick auf die zahlenmäßige Entwicklung seiner Durchführung die Gefahr einer Indikationsausweitung nicht auszuschließen ist, haben Anspruch darauf, eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung bei einem Arzt oder einer Einrichtung nach Absatz 3 einzuholen. Die Zweitmeinung kann nicht bei einem Arzt oder einer Einrichtung eingeholt werden, durch den oder durch die der Eingriff durchgeführt werden soll.
(2) Der Gemeinsame Bundesausschuss bestimmt in seinen Richtlinien nach § 92 Absatz 1 Satz 2 Nummer 13, für welche planbaren Eingriffe nach Absatz 1 Satz 1 der Anspruch auf Einholung der Zweitmeinung im Einzelnen besteht. Er legt indikationsspezifische Anforderungen an die Abgabe der Zweitmeinung zum empfohlenen Eingriff und an die Erbringer einer Zweitmeinung fest, um eine besondere Expertise zur Zweitmeinungserbringung zu sichern. Kriterien für die besondere Expertise sind
1. eine langjährige fachärztliche Tätigkeit in einem Fachgebiet, das für die Indikation zum
Eingriff maßgeblich ist,
2. Kenntnisse über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung zur jeweiligen Diagnostik und Therapie einschließlich Kenntnissen über Therapiealternativen zum empfohlenen Eingriff.
Der Gemeinsame Bundesausschuss kann Anforderungen mit zusätzlichen Kriterien festlegen. Zusätzliche Kriterien sind insbesondere
1. Erfahrungen mit der Durchführung des jeweiligen Eingriffs,
2. regelmäßige gutachterliche Tätigkeit in einem für die Indikation maßgeblichen Fachgebiet
oder
3. besondere Zusatzqualifikationen, die für die Beurteilung einer gegebenenfalls interdisziplinär abzustimmenden Indikationsstellung von Bedeutung sind.
Der Gemeinsame Bundesausschuss berücksichtigt bei den Festlegungen nach Satz 2 die Möglichkeiten einer telemedizinischen Erbringung der Zweitmeinung. Er beschließt die Festlegungen nach den Sätzen 1 bis 5 erstmals bis zum 31. Dezember 2015.
(3) Zur Erbringung einer Zweitmeinung sind berechtigt:
1. zugelassene Ärzte,
2. zugelassene medizinische Versorgungszentren,
3. ermächtigte Ärzte und Einrichtungen,
4. zugelassene Krankenhäuser sowie
5. nicht an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Ärzte, die nur zu diesem Zweck an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen

Prof. Dr. Ralf Lobmann
Dr. Joachim Kersken

Für die Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der DDG

Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß